Freitag, 12. Mai 2017

ab 19.00 Uhr: Get together (optional). Bei einem Glas Wein erste Kontakte knüpfen, einchecken, entspannt anmelden und sich auf den nächsten Tag freuen.

Samstag, 13. Mai 2017

08.00-09.30 Uhr: Anmeldung

(c) mediacampus

09.45-10.00: Eröffnung durch Moderator Jörg Thadeusz

(c) Jenny Sieboldt

Seine Moderationen sind stets kleine Ereignisse: der Journalist, Moderator und Schriftsteller Jörg Thadeusz aus Berlin ist Träger des Adolf-Grimme-Preises. Seine Romane und Reportagen erscheinen im Verlag Kiepenheuer & Witsch.

10.00-11.00 Uhr Meike Feßmann: Tendenzen gegenwärtigen Erzählens

(c) ORF/Johannes Puch

Das Erzählen ist heute unterschiedlichsten Einflüssen ausgesetzt. Gibt es überhaupt noch "Die große Erzählung"? Wovon wird erzählt? Steht dem Erzählen durch die sozialen Medien eine Fragmentierung bevor? Verändert sich die Qualität der Texte durch das E-Book oder das Selfpublishing? Welche Tendenzen und Bewegungen können wir im gegenwärtigen Erzählen beobachten, inhaltlich und ästhetisch? Dr. Meike Feßmann, Kritikerin, Essayistin und Jurorin, spürt diesen Fragen in ihrem Eröffnungsvortrag nach.

Meike Feßmann schreibt für die Süddeutsche Zeitung und den Tagesspiegel und ist als Rezensentin für Deutschlandradio Kultur tätig. Für ihre Arbeit als Literaturkritikerin wurde sie 2006 mit dem Alfred-Kerr-Preis ausgezeichnet. 2008 gehörte sie der Jury der Akademie Deutscher Buchpreis an, seit 2009 ist sie Mitglied der Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt.

11.00-12.00 Bettina Soller (Hannover): Löst sich die Autorschaft auf? Fan-Fiction und kollaboratives Schreiben als Perspektive

Ein neuer Weg, eine Öffentlichkeit für das eigene Schreiben zu finden, ist die Fan-Fiction, also das Weiter- oder Umschreiben bekannter Bücher durch Leser. Welche Strategien, die Leser an sich zu binden, finden wir hier? Immer stärker beziehen diese Autoren ihre Leserschaft nicht nur mit simplen Social-Media-Einträgen, sondern mit inhaltlich relevanten Fragen ein. Ist am Ende der "Schwarm" der bessere Autor? Erschaffen sich die Leser zukünftig ihre Bücher selbst? Bettina Soller zeigt in ihrem Vortrag Konzepte und Beispiele von digitaler Autorschaft und kollaborativem Schreiben auf. Welche Wechselwirkungen zwischen dieser Form des "Amateur"schreibens und dem traditionellen Buchmarkt entstehen hier? Verschwimmen die Grenzen zwischen Autoren und Lesern durch die Möglichkeiten des kollaborativen Schreibens im digitalen Raum?

Bettina Soller studierte in Hannover und Texas. Ihr Studium schloss sie 2009 mit der Magisterarbeit "Sex and the City and Friends: Negotiating Different Forms of Relationships" ab. Bettina Soller ist assoziiertes Mitglied der DFG-Forschergruppe "Ästhetik und Praxis populärer Serialität" und arbeitet an ihrer Dissertation zum Thema "Fan Fiction".

12.00-13.00 Prof. Dr. Christina Schachtner (Klagenfurt): Neue Narrationen. Erzählen im Zeitalter des Internets

Im Internet entstehen neue Formen des Erzählens, neue Narrationen, neue narrative Subjekte. Welche Geschichten erzählen Menschen, die die digitalen Medien als Instrumente oder Bühnen des Erzählens nutzen? Christina Schachtner hat sich intensiv mit der Kommunikation im Cyberspace auseinandergesetzt. Dabei stieß sie auf eine neue Typologie von Geschichten, die als "Zeitsignaturen" auf Fragen, Bedürfnisse, Ängste und Sehnsüchte vor allem junger Menschen verweisen: Vernetzungsgeschichten, Selbstinszenierungsgeschichten, Grenzmanagementgeschichten, Verwandlungsgeschichten oder Auf- und Ausbruchsgeschichten. Inwiefern spiegeln diese Geschichten den Zeitgeist wider? Welche strukturellen Merkmale kennzeichnen das Erzählen? Der Beitrag berücksichtigt die Einflüsse von Kultur und digitaler Technik auf das Geschichtenerzählen der Netzgeneration.

Prof. Dr. Christina Schachtner war zunächst Kindergärtnerin, dann Kriminalbeamtin. In München studierte sie Soziologie und Psychologie, habilitierte über die Mensch-Maschine-Beziehung und ist nach diversen Gastprofessuren u.a. in Berkeley, Sydney, Brasilien, London und Shanghai seit 2003/2004 Professorin für Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Digitale Medien. Zuletzt erschien ihr Buch „Das narrative Subjekt. Erzählen im Zeitalter des Internets“ im transcript Verlag.

13.00-14.00 Uhr: Mittagspause/Buffet

14.00-16.00 Uhr: Pitching Sessions & Kaffeepause

(c) mediacampus

Pitch deinen Text vor einem Agenten und erhalte fundiertes Feedback. U.a. mit den Literaturagentinnen Petra Hermanns (diebuchagenten.de), Bettina Querfurth, Caterina Kirsten (copywrite). In sieben Runden, die jeweils von einem Agenten/einer Agentin geleitet werden, wird kurz und intensiv über die "Pitches", Kurzvorstellungen von Romanen oder Projekte diskutiert. Im Zentrum dieser Sessions steht weniger das Projekt selbst als dessen Präsentation. Es besteht auch die Möglichkeit, nur zuzuhören und sich an der Diskussion über die Stoffe und Pitches zu beteiligen. Teilnahme nur nach vorheriger Anmeldung.

16.00-17.00 Uhr: Dr. Hans-Joachim Backe (Kopenhagen): Transmedia Storytelling. Das Erzählen in virtuellen Welten

Computerspiele sind mittlerweile ein Massenphänomen geworden: Komplexe Dramaturgien in komplexen Welten entwickeln häufig einen Sogcharakter. Wie funktioniert das Erzählen in Computerspielen überhaupt, mit welchen Dramaturgien oder Strategien wird hier vorgegangen? Welche Erzählstrukturen finden wir hier? Welche medienspezifischen Gegebenheiten? Und wie könnte man diese für das eigene Erzählen im Genre fruchtbar machen?
Das Erzählen in dynamischen virtuellen Welten erfordert ein Umdenken in mehrfacher Hinsicht, besonders im Hinblick auf die Rolle der Erzählwelt und das komplexe Verhältnis von Spieler und Avatar. Der Vortrag gibt einen Überblick, der aufgrund der transmedialen Einbindung von Computerspielen in weltweit agierende Label und Franchises selbst für Autoren in ‚klassischen‘ Medien unmittelbare Relevanz hat.

Dr. Hans-Joachim Backe, 1973 in Völklingen geboren, promovierte über "Strukturen und Funktionen des Erzählens im Computerspiel", lehrte danach in Bochum und ist seit 2013 Assistenzprofessor am Center for Computer Games Research der IT University Kopenhagen, wo er Computerspieltheorie, -geschichte und -design unterrichtet. Er war Leiter des Forschungskomitees für "Erzählen im Digitalzeitalter" der internationalen Forschungsgesellschaft für Vergleichende Literaturwissenschaft (ICLA) und ist Vorstandsmitglied in der Arbeitsgruppe Comicforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft.

17.00-18.00 Uhr: Lisa Kuppler (Berlin): Mein Herz rast – Das Präsens als Erzählzeit

(c) A.E. Schindler

Seit einigen Jahren häuft sich das Präsens als Erzählzeit in der Genreliteratur, vor allem in den Bereichen Young Adult, Supernatural Romance und dem zeitgenössischen Liebesroman. Anscheinend ist das Präsens für eine ganze Generation von AutorInnen (und LeserInnen) zur bevorzugten Erzählzeit geworden. Unmittelbarer, lebendiger und "moderner" klängen die Romane, die im Präsens geschrieben sind, während das Präteritum als altmodisch und distanziert empfunden wird. Stimmt das? Verliert das Präteritum seinen Status als klassische Erzählzeit? Und welche Probleme birgt das Präsens als Erzählzeit beim Schreiben? Im Impulsvortrag wird der Versuch einer Bestandsaufnahme über Erzählzeiten in der aktuellen Genreliteratur unternommen, dazu werden einige Thesen vorgestellt, die sich mit dem Tempus, seinen Vor- und Nachteilen auseinandersetzen.

Lisa Kuppler ist seit 1996 als freie Lektorin, Autorin und Übersetzerin tätig. Seit 2001 führt sie das Krimibüro in Berlin-Mitte und ist seit 2002 Dozentin für Kreatives Schreiben. Sie arbeitet u.a. für emons, Heyne, Klett-Cotta und Rotbuch und hat u.a. das Große Hobbitbuch, das bei Klett-Cotta erschienen ist, übersetzt und editiert.

18.00-19.00 Uhr: Andreas Maier (Hamburg): Die Poetik des Sich-Erinnerns. Das eigene Leben als Geschichte

(c) Jürgen Bauer

Das eigene Leben war immer Stoff und Grundlage des Erzählens - lässt sich überhaupt jenseits des eigenen Erfahrungshorizonts erzählen? Was wir in den letzten Jahren aber verstärkt beobachten ist eine Literarisierung des Biografischen. Das eigene Leben oder Teile daraus werden ganz offen als Grundlage und als Stoff für Romane oder Erzählungen genommen; es wird gar nicht mehr der Anschein einer Fiktionalisierung aufrecht erhalten. Nicht nur Karl Ove Knausgards monumentale Lebenserinnerungen spiegeln diesen Trend, sondern auch Bücher von Thomas Melle ("Die Welt im Rücken"), Benjamin von Stuckrad-Barre ("Panikherz"), J.J. Voskuil ("Das Büro") oder David Wagner ("Leben"). Warum lesen wir das Autobiografische? "Weil in einer virtualisierten Welt der Rekurs aufs Reale immer wichtiger scheint und das Banale für Authentizität sorgt. Die schicksallosen Leser der Gegenwart dürstet nach dem wahren Schicksal statt nach dem fiktiven", schreibt Peter Urban in der NZZ. Andreas Maier hat lange bevor daraus ein Trend wurde von seinem Leben in der Wetterau erzählt und beschreibt es in seiner auf elf Bände angelegten Romanserie.

Andreas Maier wurde 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren. Er studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und ist Doktor der Philosophie im Bereich Germanistik. Andreas Maier gehört zu den erfolgreichsten deutschen Autoren der Gegenwart. Für seine Literatur wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Maier lebt in Hamburg und ist seit 2005 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Seine Werke erscheinen im Suhrkamp Verlag. Zu den bekanntesten Werken gehören neben dem Erstling "Wäldchestag" die Romane "Klausen" (2002), "Kirilow" (2005) und "Sanssouci" (2009). 2010 erschien mit dem Buch "Das Zimmer" das erste von insgesamt elf geplanten Teilen einer autobiografisch angelegten Romanserie.

ab 19.00 Uhr: Sundowner auf der Dachterrasse des mediacampus

(c) mediacampus

Den Tag bei einem Glas Sekt ausklingen lassen und den weiten Blick über die Skyline Frankfurts genießen.