Sollte ich als Autorin auch fachlich oder sogar wissenschaftlich für mein Memoir recherchieren?
So ein Thema wie ADHS sollte schon in die aktuelle Forschung eingebettet sein. Wenn ich aber zum Beispiel ein Berufsmemoir schreibe, kenne ich mich fachlich ja bereits gut aus. Da muss ich vermutlich eher darauf achten, nicht zu sehr ins Detail zu gehen. Es ist wichtig, immer wieder einen Schritt zurückzutreten und mich zu fragen: Was interessiert mein Gegenüber wirklich? Was will ich mit meinem Buch bewirken?
Braucht ein Memoir einen Spannungsbogen?
Ja, auf jeden Fall. Beim Schreiben muss ich genau überlegen, wie ich die einzelnen Episoden setze. Und es ist mindestens genauso wichtig, einen Sound, eine eigene Sprache zu finden. Ein Memoir soll ja kein nüchterner, sachlicher Bericht sein, sondern literarisch erzählen. Über die Sprache kann ich mein Publikum in den Text hineinziehen und mitnehmen.
Darf ein Memoir auch fiktionale Elemente enthalten?
Das wirkliche Leben steht beim Memoir klar im Vordergrund. Wie auch bei der Autobiografie, besteht ein Pakt zwischen Leser und Autor: Das, was ich euch erzähle, habe ich so erlebt und ihr dürft es mir glauben. Natürlich sind Erinnerungen keine Fakten, sie sind subjektiv. Außerdem müssen Beteiligte im Rahmen der Persönlichkeitsrechte geschützt werden. Wenn ich fiktionale Elemente einfließen lasse – einen Traum, eine erfundene Begegnung – sollten diese aber immer klar als solche erkennbar sein. Darin unterscheidet sich das Memoir vom autofiktionalen Roman, bei dem der Plot im Vordergrund steht. Beim autofiktionalen Roman ist nicht immer klar, was tatsächlich passiert ist und wo der Autor oder die Autorin etwas verändert oder hinzugedichtet hat. Insofern bietet der autobiografische Roman einen gewissen Schutz, den man beim Veröffentlichen eines Memoirs nicht hat. Wer ein Memoir schreibt, sollte sich unbedingt darüber im Klaren sein, dass er mit einem Teil des eigenen Lebens an die Öffentlichkeit tritt. Damit macht man sich auch sehr angreifbar.