Was sind die grundlegenden Unterschiede, verglichen mit dem Schreiben für eine erwachsene Zielgruppe?
Sehr hilfreich ist, sich darüber bewusst zu sein, dass Kinderbuch und Erwachsenenbuch zwei völlig verschiedene Welten sind. So kann zum Beispiel ein kühner Vergleich im Erwachsenenbuch nobelpreisverdächtig sein, im Kinderbuch dagegen eher deplatziert. Oder es gilt eine adjektivreiche Sprache im Kinderbuch als guter Stil, im Erwachsenenbereich als unschön. Selbstverständlich passiert es allen Autoren, auch den arrivierten, dass sie sich da mal vertun. Aber dafür gibt es ja Lektoren.
Bei der Textmanufaktur geben Sie regelmäßig Seminare zu Kinder- und Jugendliteratur. Sind die eher für die Arbeit am ersten Buch gedacht oder auch für erfahrenere Autorinnen und Autoren?
In meine Seminare kommen Leute, die gerne für junge Menschen schreiben und die es mögen, sich darüber auszutauschen. Ob „Anfänger“ oder „Profi“ – an Gelegenheit zum professionellen Gespräch fehlt es im Alltag meistens. Dieses vorrangige Bedürfnis möchte das Seminar erfüllen. Eine mögliche Veröffentlichung kommt als Motiv gleich an zweiter Stelle. Insbesondere Debütantinnen und Debütanten empfehle ich, sich so früh wie möglich Expertise und Feedback von Profis und anderen Schreibenden zu holen – um sich Irrwege zu ersparen, aber auch, um sich durch Lob für Gelungenes motivieren zu lassen.
Welche Probleme fallen Ihnen in Texten für die junge Zielgruppe immer wieder auf?
Hm, da gäbe es vieles zu nennen. Wir sprechen deshalb im Seminar nicht so sehr über allgemeine Fehler, sondern gehen speziell auf die Probleme der vorgelegten Projekte ein. Ich nenne trotzdem mal die häufigsten „Fettnäpfchen“ beim Schreiben für Kinder und Jugendliche: Erstens, dass man einen autobiografischen Stoff wählt, der zwar für hohe Authentizität sorgt, aber es einem manchmal auch erschwert, professionell damit umzugehen. Und zweitens, beim Schreiben mit mindestens einem Auge nach Erwachsenen zu schielen statt nach jungen Lesern. Das muss man aber nur einmal merken ? oder freundlich gesagt bekommen ?, dann ist es schon halb behoben und für immer verlernt.
Was sollten Debütautorinnen und -autoren auf jeden Fall tun?
Alle Autorinnen und Autoren – Laien wie Profis – empfinden es als lästige Pflicht, ein Exposé zu schreiben. Ich rate aber dazu, darin eine Chance zu sehen, es genau und sorgfältig zu tun. So ein Arbeits-Exposé ist meiner Erfahrung nach sehr aufschlussreich für den Lektor, aber auch für einen selbst. Es zeigt, wo eventuell noch Durchhänger in der Handlung oder Schwachstellen in der Konstruktion vorliegen, und ist damit wesentlicher Teil des „Selbstlektorats“. Und man sollte bitte darauf achten, den Inhalt vollständig wiederzugeben, also nicht, was gerne gemacht wird, den Schluss offenlassen!