Wie machen Sie das, wenn Sie Figuren entwickeln – führen Sie Gespräche mit Ihren Figuren, die Sie dann aufschreiben, suchen Sie nach passenden Fotos im Internet?
Bei mir persönlich ist es so, dass ich ein paar grundlegende Fakten wissen muss, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Und, noch viel wichtiger: Ich muss ein Gefühl für die Figur haben. Das bekomme ich oft, wenn ich spazieren gehe oder zum Beispiel dusche. Ich denke dann: Ah! So einer ist das! Dieses Gefühl kann noch vage sein – aber ganz ohne geht es nicht. Dann muss ich eben noch mehr spazieren gehen oder duschen.
Richtig konkret werden meine Figuren erst im Schreibprozess. Hier versuche ich, wirklich in sie hineinzugehen. Was fühlt die Figur in diesem Augenblick? Was würde sie jetzt sagen oder tun? Ich lasse mir dabei Zeit, um der Figur nicht einfach einen Plot überzustülpen, den ich mir vorher überlegt habe.
Woran merken Sie, dass eine Figur stimmig ist?
Wenn eine Figur mir selbst nicht mehr ausgedacht vorkommt – dann stellt sich diese Frage erfahrungsgemäß auch für die Leserinnen und Leser nicht mehr. Dann ist die Figur keine Figur mehr, sondern ein Mensch.
Worauf sollten wenig geübte Autorinnen und Autoren besonders achten, wenn sie Figuren entwickeln, und was sollten sie besser vermeiden?
Wir müssen lernen, loszulassen. Es ist nicht möglich, den Leserinnen und Lesern immer ganz genau zu erklären, wie wir die Figur meinen. Es wird niemals passieren, dass dann alle dieselbe Frau oder denselben Mann im Kopf haben. In jeder Geschichte stecken viele Lesarten.