Im Roman fährt Elena mit ihren zwei Kindern in das Ferienhaus einer reichen Freundin, die gleichzeitig auch ihre Chefin ist. Statt des vielbeschäftigten Ehemanns kommen das Kindermädchen Eve und eine Freundin der 13-jährigen Tochter mit. Weite Strände, Sonne und Atlantikwellen verheißen einen unbeschwerten Urlaub, aber die Stimmung bleibt angespannt. Man spürt die Verstrickungen der Figuren, ahnt ihre inneren Abgründe. Dieses Beziehungsgeflecht, ist das der Kern der Geschichte?
Ich glaube das ist der Kern von allem, was ich bisher geschrieben habe. Was bindet die Figuren aneinander und lässt sie gleichzeitig nicht zueinanderkommen? Das ist ein Kreisen umeinander, auch eine Obsession. Und was schließlich bleibt, ist die Sehnsucht und die Einsamkeit.
Du erzählst im Wechsel aus Eves und Elenas Perspektive. War das von Anfang an geplant?
Ich bin ziemlich bald dazu gekommen, die Erzählungen der beiden Frauen einander gegenüberzustellen. Wir wissen alle: Jeder erinnert Erlebtes anders, unsere Erzählungen sind gefärbt und niemand hat ganz recht. Mir war es wichtig, um Empathie und Verständnis für beide zu werben. Sowohl Elena als auch Eve haben ihre blinden Flecken, aber auch eine Not, aus der heraus sie auf ihre Weise handeln.
Der Schauplatz des Romans ist die südfranzösische Atlantikküste. Was verbindet dich mit dieser Landschaft?
Ich war als Jugendliche einige Male dort, als ich ungefähr so alt war wie die beiden Mädchen im Roman. In diesem Alter ist man sehr empfänglich für alles Mögliche, mir ging es zumindest so. Die Landschaft ist gewaltig, aber auch karg, sogar monoton: die ewigen Wälder, die Küste und dann der Atlantik. Trotz der Schönheit fühlt man sich in so einer Landschaft auch verloren, als kleiner Mensch. Die Gewalt des Meeres kann ein großer Spaß sein, aber auch eine Gefahr. All das hat mich damals im Körper erfasst und ich habe es nicht vergessen.