Haben Sie erst die eine und dann die andere Perspektive geschrieben?
Nein, ich habe immer parallel an den Perspektiven gearbeitet. Spätestens mit der ersten Begegnung der Hauptfiguren waren die Erzählstränge auch gar nicht mehr zu trennen. Aus zwei separaten Geschichten wurde eine gemeinsame. Von da an bestand eine der größten Herausforderungen darin, zu entscheiden, aus welcher Perspektive eine bestimmte Szene geschildert werden sollte. Teilweise habe ich Szenen – etwa einen gemeinsamen Museumsbesuch – erst aus beiden Perspektiven geschrieben, um zu erspüren, welche für mich stimmiger ist.
Wie ist es Ihnen gelungen, die beiden Erzählstränge so zu verschränken, dass es dramaturgisch passt?
Beim Schreiben hatte ich mir die Regel gesetzt, dass die Erzählung – einige Rückblenden ausgenommen – chronologisch verlaufen sollte. Nachdem die Rohfassung des Manuskripts fertiggestellt war, habe ich alle Szenen auf Karteikarten geschrieben und noch einmal neu arrangiert. Dabei habe ich darauf geachtet, dass die Erzählanteile relativ ausgewogen sind und die einzelnen Kapitel eine gewisse Länge nicht überschreiten. Einige Passagen musste ich entsprechend kürzen, verschieben oder umschreiben.
Wenn Sie von einer zur anderen Figur wechseln – ändert sich mit der Erzählperspektive dann auch der Ton?
Einen Unterschied in der Tonalität habe ich nicht beabsichtigt. Es ist aber denkbar, dass er sich unbewusst in den Text geschlichen hat. Hätte ich mich für die Ich-Perspektive entschieden, wäre die sprachliche Differenz zwischen den beiden Erzählstimmen vermutlich stärker wahrnehmbar.
Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um deutlich zu machen, dass die Erzählperspektive wechselt?
Es ist sicher hilfreich, dem Text eine formale Struktur zu geben, die den Perspektivwechsel ankündigt. In meinem Roman ist das jeweils der Beginn eines Kapitels, mit dem immer auch ein Wechsel der Perspektive einhergeht.