Wie ist aus diesen Ideen ein Roman entstanden?
Bei mir ist es so, dass ich mich an den Plot erstmal heranschreiben muss. Dabei schreibe ich mich manchmal in Sackgassen hinein, probiere es anders, bis es stimmig ist. Ich habe einen sehr guten Lektor, der mich von den Ideen in meinem Kopf immer wieder zurück auf die Plotebene bringt, der auch mal fragt: Worum geht es hier konkret? Der Plot entsteht nach und nach beim Schreiben. Ich folge eher meinem Gefühl, einer Stimmung, die mir sagt, wo es hingehen soll.
Welche Rolle spielen Stimmung und Atmosphäre für Ihre Texte?
Für mich ist Atmosphäre wesentlich, sie erzählt die Geschichte mit. Atmosphäre kann ich auf mehreren Ebenen erzeugen, zum Beispiel indem ich mich in einer Bilderwelt bewege, die mein Thema spiegelt. Auch die Sprache ist wichtig, ihre Melodie, ihr Rhythmus. In »Aufruhr der Meerestiere« wollte ich das Wasser in den Text holen durch eine Sprache, die rhythmisch Wellen schlägt und immer weitergeht. In meinem ersten Roman »Alles was glänzt« geht es um Bergbau, und der Text ist sprachlich wesentlich karger. Während ich schreibe, lese ich meine Texte ständig und entwickle auf diese Weise ein gutes Gespür für den Rhythmus, den der Text braucht. Auch die Form schafft Atmosphäre, zum Beispiel, wenn ich Erinnerungen, Erlebnisse und Träume nicht hierarchisch anordne, sondern zusammenwirken und ineinander übergehen lasse. Atmosphäre entsteht aus dem Zusammenspiel von Form, Sprache und Inhalt.