Gibt es für Bücher mit Natur-Thematik hierzulande einen Markt?
Meine Verleger bestätigen mich darin, dass sich Nature Writing gerade nach der Pandemie hier wieder etabliert hat. In einer Welt, in der die alten Regeln nicht mehr halten, in der das Miteinander neu dekliniert werden muss, sind Natur-Orte zu Refugien geworden.
Entsteht durch »Nature Writing« Nähe zur Natur?
Das Schreiben ist eine Form der ständigen Auseinandersetzung, eine Reflexion, Suche. Wir tauchen dabei ein, versuchen genau zu beschreiben und durch diesen inneren Dialog einen Weg zu finden, der neu begangen wird, der sich frisch anfühlt, der durch die Wahl der Worte und Themen eine Balance erzeugt. Es ist ein ständiges Feilen, genauer Werden, und immer wieder Suchen.
Welche Rolle spielt Wissenschaft im Nature Writing?
Wir leben in einem Zeitalter, in dem wir so viel Wissen über die Welt angesammelt haben. Aber es ist in einer Sprache verfasst, die uns kaum berührt. Im Nature Writing versuche ich, dieses Wissen über meinen gesamten Körper aufzunehmen, mich hinein zu fühlen und dann Worte dafür zu finden, die dieses Wissen in die Leser hineintragen. Ich verbringe also sehr viel Zeit mit Recherchieren, mit dem Suchen und Lesen von Texten, die relevant sind. Und dann mit dem Hineinträumen.
Schreiben Sie eher journalistisch oder fiktional über Natur?
Ich schreibe lieber essayistisch als journalistisch, da ich mich gerne in einer freieren Form bewege. Es sind Ausflüge in ein bestimmtes Themengebiet, das ich zu erfassen versuche, durch Fakten und über meine eigene sensorische Welt. Hin und wieder arbeite ich auch an fiktiven Texten, an einem Roman, einem Drehbuch, oder einem Libretto. Hier wird die Natur zu einem Ort, an dem oder durch den sich die Emotionen entfalten.
Ist Nature Writing mit einem Appell an den Leser verbunden, die Umwelt zu schützen?
Ich selbst mag es nicht, mit dem Zeigefinger auf Leute zu zeigen und zu sagen: Tu dies, nicht das. Auch das 'Schützen' ist eine seltsame Art des Miteinanders – besser wäre es ja, wenn wir die Natur erst gar nicht vor uns schützen müssten. Es geht mir also eher darum, eine Sensibilität zu entwickeln, die uns unsere Verbindung zur lebendigen Welt wieder spüren lässt. Die uns erkennen lässt, wie sehr wir Teil von allem sind. Und wenn das passiert, ändern die Leser vielleicht gewisse 'schlechte' Angewohnheiten und suchen selbst nach einem neuen Umgang mit der mehr-als-menschlichen Welt.