Einen Bestseller schreiben, das wünschen sich wohl die meisten Autoren. Wie war Ihr Weg dorthin?
Es war ein langer Weg, wenn man bedenkt, dass mein erstes Buch 1996 erschienen ist und der große Erfolg 2016 losging … fünfzig veröffentlichte Bücher später! Durch eine Reise in den Yellowstone-Nationalpark kam mir die Idee, dass ich gerne etwas über einen Puma-Gestaltwandler schreiben würde. Das Exposé gelangte über meine Agentur Gerd F. Rumler an den Arena Verlag. Durch die Diskussionen mit meiner Lektorin bin ich auf die Idee gekommen, eine Reihe ab zehn Jahren daraus zu machen und das geheime Internat, auf das die Hauptfigur Carag geht, in den Mittelpunkt zu stellen. Was soll ich sagen – das hat wunderbar funktioniert! Aber die Entwicklungsarbeit an der Idee hat sich über so etwa eineinhalb Jahre hingezogen und zwischendurch sah es nicht so aus, als würde noch was daraus werden.
Was denken Sie: Kann man einen Bestseller planen?
Ich glaube nicht, und nach Schema F schon gar nicht, das spüren die Leser. Manchmal hat man eben eine Sternstunde und eine Idee mit richtig viel Potenzial. Nach ungefähr 7 000 beantworteten Leserbriefen weiß ich inzwischen allerdings, was meine Leser mögen, und habe ein Gespür dafür entwickelt, was funktioniert. Bei manchen meiner Büchern war ich mir sicher, dass die Leser den Roman lieben werden, bei anderen war und bin ich aber völlig unsicher und habe keine Ahnung, wie mein Herzenskind auf dem Buchmarkt angenommen wird. Das ist immer wieder nervenzerfetzend!
Und was hat sich für Sie durch den großen Erfolg verändert?
Die letzten zwei Jahre habe ich dafür gebraucht, mein Leben dafür umzuorganisieren. Vorher habe ich ziemlich viel im Bereich Lektorat und Coaching gemacht, auch viele Fernstudenten für die Textmanufaktur betreut. Nun konzentriere ich mich stärker aufs Schreiben, muss aber auch mehr Zeit für die Fans einplanen. Jeden Tag treffen zwischen 15 und – bei Erscheinen eines neuen Bandes – 40 Fanmails und -kommentare ein, für die ich manchmal einen großen Teil des Nachmittags investieren muss. Außerdem bin ich noch häufiger auf Lesereise als zuvor, obwohl ich zu den meisten Anfragen Nein sagen muss. Weil ich mich ja ganz nebenbei noch um meine Familie kümmere, ist mein Arbeitstag drastisch länger geworden! Das klingt jetzt komisch, aber ich bin heilfroh, dass ich so einen Mega-Bestseller nicht schon vor zehn Jahren hatte. Mit einem kleinen Kind daheim wäre das alles schwierig geworden.
Ihre Jugendromane schreiben Sie als Katja Brandis, außerdem haben Sie einen Fantasy-Roman für Erwachsene unter dem Namen Siri Lindberg veröffentlicht. Warum haben Sie sich ein zweites Pseudonym zugelegt?
Leider kann man Kinderbuch und Erwachsenenroman nicht unter einem Namen machen, jedenfalls nicht, wenn man im Kinderbuch angefangen hat, das akzeptieren die Leser nicht. Man wird schnell in eine Schublade gesteckt, aus der man aber mit einem neuen Namen heraushüpfen kann – eine praktische Sache. Also habe ich mir ein wohlklingendes zweites Künstler-Ich ausgesucht, das ich wegen der Apple-Siri blöderweise wieder ablegen musste.