Gibt es Tricks oder Methoden, die helfen, wenn die nächste Idee einfach nicht kommen will? Was können Autorinnen und Autoren tun, wenn ihnen partout nichts einfallen mag?
Eine Schreibpause ist in solchen Situationen immer empfehlenswert. Im Kinderbuchbereich würde ich dem Autor außerdem den Rat geben, sich wenn möglich unter die Zielgruppe zu mischen, einen Ausflug mit den eigenen Kindern zu unternehmen oder die Kinderbuchabteilung in der nächsten Buchhandlung zu besuchen. Manche Autoren sitzen in ihrem Zimmer und warten darauf, dass ihnen irgendwann etwas einfällt, aber so funktioniert es meistens nicht. Autoren brauchen ein Gefühl für die Lebenswelten und Wünsche ihrer Zielgruppe. Wenn sie sich damit vertraut machen und auch den Markt mit den Klassikern und aktuellen Themen nicht aus dem Blick verlieren, stoßen sie sicher auf Anregungen, ohne dabei eine bereits bestehende Idee zu kopieren. Generell gilt: Gehen Sie raus, kommen Sie mit Ihrer Zielgruppe in Kontakt, lesen Sie und vergessen Sie auch nicht die anderen Medien, die für Ihre Zielgruppe von Bedeutung sind.
Wenn die Idee einmal da ist, erschließt sich ihr Potenzial nicht immer sofort. Was raten Sie Autorinnen und Autoren, die unsicher sind, ob der Stoff, den sie für ihr nächstes Werk ausgesucht haben, genügend hergibt?
Die meisten Stoffe geben genug her für einen Roman, wenn man sie nur gut genug erzählt. Wichtig ist, dass der Autor über ausreichend Talent und Erzählfreude verfügt, um aus einem möglicherweise kleinen Einfall eine große Geschichte zu machen. Am besten, Sie pitchen Ihre Idee vor Ihrem Agenten, Ihrer Agentin oder einem Schriftstellerkollegen oder Sie schreiben ein Exposé zu Ihrem Projekt. Können Sie ausholen und die Geschichte immer weiter fortführen, entwickelt sich etwas daraus? Dann scheint sie Potenzial zu haben.
Inwiefern können Sie in Ihrer Rolle als Literaturagentin schon in dieser Phase der Stoffentwicklung unterstützen?
Wir diskutieren die Stoffe natürlich mit unseren Autoren, manchmal geben wir auch selbst Anregungen oder schlagen eine neue Idee vor. Einige Agenten waren früher als Lektoren tätig und können auf ihre Erfahrung zurückgreifen, um Stoffe einzuschätzen. Außerdem ist es unsere Aufgabe, den Markt, die Anforderungen der Verlage und die Bedürfnisse der Zielgruppen im Auge zu behalten, weshalb wir unsere Autoren bei der Einordnung eines Themas in der Regel gut unterstützen können. Wie genau diese Unterstützung aussieht, entscheidet der Autor. Manche arbeiten lieber selbstständig und liegen mit ihrem Manuskript auch ohne unseren Rat genau richtig. Andere machen sich gerade im Kinderbuch schon früh viele Gedanken über den Aufbau und die Entwicklung ihres Stoffes und schätzen es, dass wir ihnen dabei zur Seite stehen.