
Charlotte Belinda Wulff
Charlotte Belinda Wulff – am liebsten Charly, aus Platzgründen – schreibt am liebsten Gedichte, aus Platzgründen, weil sie darin so viel Platz hat: zum Beispiel dafür, wie sie die Welt (und deren Bewohner) sieht, missversteht, anschmachtet und verachtet. Jahrgang 1997, lebt und arbeitet in Köln u.a. als Dozentin an der ecosign und als freiberufliche Fotografin. 2021 Fachbuch-Publikation »Das Selbstporträt« im Rheinwerk Verlag, 2025 Gedicht-Publikation im Schweizer Literaturmagazin »Das Narr«.
»freundebuch«
berufswunsch: erfinderin (deines gesichts); dompteurin (für angstzustände)
drei dinge die ich auf eine einsame insel mitnehmen würde:
deine augäpfel
deinen adamsapfel
so viel wiege ich:
sehr viel weniger seit ich meinen kopf abgetrennt habe
so groß bin ich:
die vermessenheit von lichtbildausweisen mit einberechnet
bin ich einen halben zentimeter groß und gut behütet
was ich nicht mag:
hoffnung & furcht
was ich gut kann:
hoffen und fürchten
drei wünsche an meine zauberfee:
eine phrasendreschmaschine
ein lastenfahrrad für ich-botschaften
und eine raubkopie deiner stimmbänder
»die erde ist eine kniescheibe«
die apokalypse, schreibt livia ștefan, sitzt in ihrem knie, das gebrochen ist, oder war, jedenfalls sind meine beiden knie von skalpellen aufgetrennt worden, von tauben fingern, die sonntags in kapellen gefaltet werden, origami für einen gott, der nicht hört, und ich muss dran glauben; möchte, dass, wenn die welt und alles andere untergeht, jemand da ist. jemand, der in darkness nach bockshornklee riecht, jemand, der eine kiwi über der spüle isst und mich anschließend bittet, seine mundwinkel zu kratzen wegen der säure. und ich werde bereitstehen, im op-kittel kiwi schneiden, um diese mundwinkel immer wieder berühren zu können; die apokalypse ins bockshorn jagen, zurück ins gebrochene knie.
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