
Christian Rabl
Christian Rabl, geboren 1981, studierte Kunstpädagogik und Literaturwissenschaft in München, lebt in Köln und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität. Längere Arbeitsaufenthalte haben ihn u.a. nach Bulgarien, Moldau und Indonesien geführt. In seinen lyrischen Texten befasst er sich u.a. mit Natur, Wahrnehmung und Erinnerung.
»Kiesel«
Selten hörte ich meinen Körper so deutlich
wie wenn er
über die knirschende Seele
im Kirchhof ging, ins Schummerlicht
der Telefonkabine, wo wir unsere Ferngespräche führten
Gott, der Pfarrer, der Teufel
und ich
nahm den Hörer ab
steckte meine zwanzig Pfennig
in den Schlitz und sprach
solang die Sünden reichten
Manchmal hörte ich
ein Räuspern in der Leitung
das Klackern der Münzen
beim Aufhängen und wie
ich ging, allein
die Kiesel knirschten
kullerten herab
vom Berg, aus dem sich etwas
löste, etwas abging
bevor er über Nacht
sich wieder faltete wie Gott
ihn einst erschaffen hatte
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