Karsten Weissenfels

»Das Erbe«



Karsten Weissenfels studierte Regie, Schnitt und Dramaturgie an der Film- & Fernsehakademie Berlin (dffb) und war dort später selbst viele Jahre als Dozent für Filmschnitt und Dramaturgie tätig. Daneben arbeitet er als freier Filmeditor und Dramaturg im Bereich Drehbuch. Im Jahr 2014 gründete er gemeinsam mit einer Kollegin die Akademie für Filmschaffende, die Weiterbildungen für die Filmbranche anbietet, unter anderem im Bereich Drehbuch. Mit einem Auszug aus seinem Roman »Crocodile Smile« gewann er 2025 den Autorenwettbewerb der narrativa 9 in Berlin.

»Das Erbe«


Die Oma ist gestorben und alle haben Geld geerbt. Nur Jonas nicht. Ihm hat sie eine alte Kiste aus dem Keller hinterlassen. Mit Briefen, Fotos und mit Tagebüchern. Wollte sie im Ernst, dass er die alle liest? Dass er sich durch ihr ganzes Leben wühlt? Jonas ist nicht interessiert und will das Zeug verbrennen. Doch Omas langem Arm entkommt er nicht. Sie sorgt dafür, dass er begreift: Er muss sich retten. Vor dem Platz, der für ihn vorgesehen ist. Vor denen, die einen Mann aus ihm machen wollen. Vor dem Erbe der Familie.



Leseprobe


Ich habe lange überlegt, ob ich Omas Tagebücher verbrennen soll. Einfach in den Müll geht ja nicht. Wenn schon, dann verbrennen. Hat sie ernsthaft gedacht, dass ich sie lese? Vierzig Hefte in enger, kleiner Schrift, die ich kaum entziffern kann. Ist das viel, wenn man über achtzig wird? Sie hat sie mir in einem schimmeligen Umzugskarton vererbt, auf den sie mit roter Schrift »Schatz!« mit einem Ausrufezeichen draufgeschrieben hat und der wer weiß wie lange schon in ihrem Keller stand. Außer den Tagebüchern war noch ein altes Fotoalbum und eine kleine Metallschatulle mit einem hässlichen Armreif drin. In der Hoffnung, dass der vielleicht irgendwas wert ist, habe ich ihn zum Trödelladen gebracht, aber nur zwanzig Euro dafür bekommen. Danke Oma! Mein Vater, der es echt nicht verdient, hat das ganze verdammte Haus bekommen, meine Halbschwestern beide ein gepflegtes Sparbuch. Ich habe Oma nur ein Mal besucht im Pflegeheim, ok, aber es war mir einfach zu krass da. Angerufen auch nicht, ich hasse telefonieren. Vor allem mit Oma. Sie wurde immer grundsätzlich, und wer braucht das schon.
»Du musst endlich mal erwachsen werden!«
»Ich bin erwachsen, Oma, ich bin zwanzig…«
»Du weißt nicht, was du willst und interessierst dich für nichts und für niemanden. Du weißt nicht, worauf es ankommt im Leben!«Ins Fadenkreuz von Oma wollte niemand kommen. Meine Schwestern waren lieb und haben jetzt zwei dicke Sparbücher.
Mir bleibt nur der Scheiterhaufen. Auf dem werde ich Omas Erbe verbrennen, und ich hoffe, sie sieht zu von oben.
Als ich schon vor dem Grill stehe und darauf warte, dass das Feuer hoch genug ist, blättere ich im letzten Tagebuch und ganz am Ende lese ich die letzten Worte, die sie geschrieben hat in ihrem Leben. Wie ein böser Kobold springen sie mir mitten ins Gesicht. Mir wird heiß und kalt.
Der Trödelladen liegt ein paar Häuser weiter im Souterrain. In seinem flachen Schaufenster kann ich den Armreif nirgends entdecken, es ist vollgestopft mit Zeug aus Wohnungsauflösungen. Der Ladenbesitzer sortiert Knöpfe aller Größen in einen Kasten mit verschiedenen Fächern und sieht nicht auf, als ich reinkomme. Ich frage nach dem Armreif, den er mir für wahnsinnige zwanzig Euro abgekauft hat. Hat er gewusst, was er wert war?
»Ist weg«, sagt er mit einem kleinen Achselzucken.
»Weg? Was heißt weg?«
»Verkauft.«
»Verkauft? An wen?«, frage ich so dringlich, dass er nun doch den Kopf hebt.
Er zögert.
»Eine Stammkundin. Arbeitet im Café gegenüber. Kauft immer wieder was.« Ohne ein Danke bin ich wieder draußen und laufe rüber zum Café.
Es ist Mittagszeit und rammelvoll. Man muss an einer schicken Theke anstehen und bestellen. Eine Frau mit Pferdeschwanz kassiert, eine andere hantiert mit schnellen Bewegungen an einer chromblitzenden Kaffeemaschine und schiebt Cappuccinos und Macchiatos über den Tresen. Ich sehe sofort, dass sie Omas Armreif am Handgelenk trägt. Er rutscht ihr den Arm hoch und runter, während sie Milch schäumt oder donnernd ein Kaffeesieb ausleert. Sie ist Mitte dreißig, nicht gerade schlank, und der altmodische Armreif sieht etwas verwirrt aus an ihr.
Als ich an der Reihe bin, bestelle ich einen Cappuccino und passe den Moment ab, an dem sie sich von der Kaffeemaschine zu mir umdreht und ihn mir hinstellt.
»Schöner Armreif!«, rufe ich in den Lärm.
Sie wirft mir einen kurzen Blick zu, dann ist sie schon wieder an der Maschine. Ich nehme meine Tasse, bleibe aber stehen, wo ich bin, und halte den Betrieb auf. Als sie den nächsten Kaffee mit Hafermilch auf den Tresen stellt, hake ich nach: »Kann ich ihn dir abkaufen?«
Sie runzelt die Stirn. Die Leute hinter mir in der Schlange drängen nach, die Mittagspause ist kurz, es muss vorangehen. Ich stehe dämlich da mit meiner Tasse und werde wie ein Stück Treibholz abgedrängt. Ein Herz aus Zimt lacht mich vom Milchschaum an, versinkt aber schon langsam in den Fluten. Ich stelle die Tasse neben mich auf einen Tisch und gehe raus.
Es fängt an zu regnen. Ich ziehe die Kapuze über den Kopf und zurre sie an den Bändern fest. Dann ramme ich die Fäuste in die Hosentaschen und halte die Arme eng am Körper, während ich von der anderen Straßenseite zum Café rüberschaue. Meine Tarnung ist eine Bushaltestelle. Ich habe Zeit zum Grübeln. Wie lang geht so eine Schicht an der Kaffeemaschine?
Ich denke darüber nach, was zum Henker Oma von mir wollte. Dass ich leer ausgehe, wenn ich mir nicht ihr ganzes verdammtes Leben durchlese und erfahre, was sie mir da vermacht hat? Nach der Trennung hat sie Mama bei den Kindergeburtstagen geholfen und die Schatzsuche übernommen. Und auf der Truhe mit Taschenlampen oder Süßigkeiten stand in der gleichen roten Schrift »Schatz!« wie auf dem Kellerkarton, den sie mir hinterlassen hat. Sehr witzig, Oma!
Es dämmert schon, und im Café gehen die Lichter an, als die Frau mit meinem Armreif plötzlich rauskommt. Ich hätte sie fast nicht erkannt, sie hat sich Regenzeug übergezogen.
Mit schnellen Schritten geht sie die Straße runter. Ich auf der anderen Seite wie ein Stalker hinterher. Ich habe keine Ahnung, was ich vorhabe. Irgendeine Geschichte erzählen, dass der Armreif meiner geliebten Oma gehörte? Geld bieten? Betteln? Drohen?
Sie geht zu einer Kita. Ich bleibe stehen und starre rüber auf die bunt bemalten Fensterscheiben und den verregneten Spielplatz vor dem Eingang. Sie kommt mit einem Jungen wieder raus, vier oder fünf Jahre alt. Er lässt sich ziehen, ist alles andere als begeistert von der Kapuze über seinem Kopf und schreit die Straße zusammen. Sie ist sichtlich gestresst nach dem Tag an der Kaffeemaschine und kann jetzt keinen Treibanker gebrauchen, den sie hinter sich herschleppen muss. Ich folge auf der anderen Straßenseite, und es arbeitet in mir. Ich habe kaum Geld dabei, das wird sie nicht beeindrucken. Auf der anderen Straßenseite kommt den beiden ein Mann entgegen. Ich sehe, dass sie ausweichen will, aber er verstellt ihr den Weg. Was ist denn jetzt? Es gibt einen Wortwechsel. Der Regen rauscht, und ich kann nicht richtig verstehen. Sie scheinen sich zu kennen. Der Mann ist wütend, er zeigt immer wieder auf den Jungen. Ihre Stimme wird jetzt laut, sie nimmt das Kind an der Hand und will weitergehen. Der Typ packt sie am Arm, woraufhin sie ihm mit der Faust aufs Handgelenk schlägt. Hoppla.
Mit der Kante seiner Hand schlägt der Mann drei, viermal auf die Frau ein, mitten ins Gesicht, mit kurzen, kräftigen Hieben. Als hätte er das geübt. Sie schreit. Verdammt laut. Der Junge weicht an die Hauswand zurück und starrt. Der Mann greift nach seiner Hand und will ihn mit sich ziehen.
»Ey!!«, schreit jemand über die Straße. Mit einer Stimme, die den Mann herumfahren lässt. Ich begreife erst eine Sekunde später, dass ich das war. Beeindruckend. Bevor ich einen klaren Gedanken fassen kann, gehe ich mit großen Schritten auf den Mann zu. Leider sieht er ganz schön krass aus. Der Schrecken weicht aus seinem Gesicht, je näher ich komme.
»Halt dich raus! Das ist privat!«, raunzt er mir entgegen.
Eigentlich wollte ich ihm heldenhaft eine reinhauen. Ich überlege es mir anders und ziehe mein Handy aus der Hosentasche.
»Ich hole die Bullen!«, rufe ich.
Ich halte meine Waffe drohend in die Höhe, bis ich vor ihm stehe. Mit einer verächtlichen Bewegung schlägt er mir das Handy einfach aus der Hand. Es fliegt in einem Bogen auf die Straße und zerschellt auf dem Asphalt. Ich bin verblüfft und mache nicht die beste Figur, glaube ich. Ich stehe einem wütenden Tier gegenüber mit Sohn an der Hand. Manchmal bereut man.
»Verpiss dich!«, faucht er.
Wie kommt man aus so einer Nummer wieder raus? Ich blättere fieberhaft im Handbuch.
»Ist das Ihr Kind?«, frage ich, als wäre das die entscheidende Info, die ich noch brauche.
»Was geht dich das an? Verpiss dich!«
Er will sich mit dem Jungen abwenden, aber die Frau greift wieder nach ihm. Er schlägt ihr wieder auf das Handgelenk, genau auf Omas Armreifen, auf dem eindeutig ein Fluch liegt. Er schlägt wie vorher mit der Kante seiner gestreckten Hand, als wäre das seine übliche Waffe, gezielt gesetzte Schläge, da hat man sich hinterher nichts vorzuwerfen.
»Hey, das geht nicht...«, störe ich nur ungern und mache einen Schritt nach vorn. Dann trifft mich seine Faust. Ins Gesicht. Es kracht und sprüht. Sterne und Blut. Ich finde mich auf dem Boden wieder. Und höre wie durch einen fernen Nebel eine Polizeisirene. Die Reiterei, endlich! Blaulicht erhellt den Asphalt neben mir. Ich kann gerade den Kopf nicht heben. Ich kippe mich auf den Rücken und sehe, dass der Typ abhaut. Den Jungen hat er zurückgelassen, seine Mutter hat sich in die verdammte Kapuze verkrallt.
Als wir am Krankenhaus ankommen, wird sie eilig irgendwohin geschoben, wahrscheinlich zum Röntgen. Der Junge will hinterher und schreit zum ersten Mal, aber eine Schwester versucht, ihn zu beruhigen. Sie sieht mich an und mustert meine dicke Nase.
»War das ein Faustschlag?«, fragt sie mit professionellem Interesse.
Ich nicke gelassen. Sie will den Jungen untersuchen, aber der krallt sich an den Lehnen des Schalensitzes fest und dreht den Kopf nach links und rechts. Sie kniet sich vor ihn hin und legt ihm die Hände auf die Knie.
»Die Ärztin muss dich sehen. Ich bringe dich hin. Da passiert nichts Schlimmes. Danach gehen wir zu deiner Mama.«
Der Junge erwidert ihren Blick, klammert sich aber an den Sitz, als sei das seine letzte Planke.
Die Schwester hat noch tausend andere Sachen zu tun, aber sie zwingt sich zur Ruhe. Ich finde sie echt gut. Sie streichelt sanft über seine Hände.
»Du brauchst keine Angst zu haben …«
Sie greift um seine Handgelenke, aber er lässt nicht locker und beißt die Zähne zusammen. Die Schwester entscheidet sich für Plan B, packt seine Handgelenke und zieht ihn mit aller Kraft von seinem Sitz hoch. Er schreit und wehrt sich. Alle Köpfe drehen sich zu uns um.
Die Schwester will es kurz machen und ihn mit sich ziehen. Er tritt aber so heftig um sich, dass sie ihn wieder loslässt. Er stürzt sich auf mich und hält sich an mir fest, als sei ich seine Rettungsboje. Das kommt so plötzlich, dass ich mit dem Kopf an die Wand hinter mir knalle.
Die Schwester steht vor uns und sieht aus, als wolle sie um sich schießen.
»Können Sie mitkommen?«, fragt sie mich mit einem Flehen in der Stimme, das ich auf keinen Fall überhören möchte.
Ich schaue auf den Jungen.
»Schaffen wir das zusammen?«, fragt die Schwester.
Klar. Sicher. Schaffen wir. Ich stemme mich aus dem Sitz hoch. Der Junge lässt meinen Arm los und greift stattdessen nach meiner Hand. Seine Gesichtszüge sind jetzt so hart wie die der Schwester, nur dass ihre langsam etwas aufgelöst wirken. Er geht folgsam neben mir her, während wir der Schwester folgen. Seine Hand ist verschwitzt.
Im Behandlungszimmer müssen wir warten, aber als die Ärztin schließlich kommt, wirft sie uns einen prüfenden Blick zu, lässt sich am Schreibtisch auf einen Sessel mit Rollen plumpsen und überfliegt die Infos über uns am Bildschirm. Dann steht sie schon wieder und holt ihr Stethoskop hervor.
»Kurz mal hinlegen bitte!«
Ihr Charme für heute ist lange schon aufgebraucht.
»Ich weiß nicht, ob er das macht«, gebe ich vorsichtig zu bedenken.
»Kurz einmal hinlegen!«, wiederholt sie wie ein Feldwebel.
Ich spüre, wie sich die Hand des Jungen in meine krampft.
»Geht das nicht im Sitzen?«, schlage ich vor.
»Legen Sie sich neben ihn!«, fordert sie mich auf. Ihre Stimme klingt müde.
Ich sehe den Jungen an, der aber wie immer sonst wo hinschaut.
Ich schwinge die Beine auf die Liege und strecke mich aus. Ich könnte sofort wegsinken, merke ich.
Die Ärztin tritt an die Liege heran und führt den Jungen, der immer noch sitzt, an den Schultern neben mich runter auf die Liege, so dass wir nebeneinander liegen. Er lässt es sie machen.
Sie schiebt ihm Pullover und Hemd hoch und hört seine Brust ab. Dann dreht sie ihm den Kopf nach rechts und links, schaut mit einem kleinen Licht in seine Augen und Ohren, alles zügig und routiniert.
»Er kann jetzt zu seiner Mutter…«, höre ich die Schwester von der Tür aus sagen. Sie streckt dem Jungen ihre Hand entgegen.
»Kommst du mit mir mit?«, fragt sie und macht einen letzten Versuch, ihn mit einem Lächeln zu gewinnen. Er macht keine Anstalten, darauf einzugehen.
Sie seufzt.
»Den werden Sie heute nicht mehr los!«, stellt sie fest und schenkt das Lächeln dann eben mir. »Können Sie mitkommen?«
Wir gehen hinter ihr her den Gang runter und sie führt uns in ein Zimmer, in dem die Mutter des Jungen in einem Krankenbett am Fenster liegt. Sie hat eine Kompresse im Gesicht und eine Infusion am Arm. Ihr Auge ist zugeschwollen, ihr ganzes Gesicht gelb-blau angelaufen. Ziemlich krass.
Als der Junge sie sieht, lässt er meine Hand los, ich kann es nicht glauben, und rennt zu ihr. Ich muss die Finger strecken, um sie wieder bewegen zu können.
Mein Schützling hat sich aufs Bett geworfen und vergräbt sein Gesicht in der Decke. Seine Mutter streichelt ihm den Kopf. Sie wendet mir den Kopf zu und sieht mich an.
»Danke...«, sagt sie kaum hörbar.
Ich winke großzügig ab. Die Schwester geht an mir vorbei zur Tür. Ich will ihr hinterher, aber dann fällt mein Blick auf den Nachttisch am Bett. Neben einem Ring und einer kleinen Kette liegt Omas Armreif...
Ich sehe mich zur Schwester um. Sie steht draußen auf dem Gang und redet mit einem Pfleger. Ich sehe zur Patientin im Bett. Sie schaut auf ihren Sohn, dem sie den Kopf streichelt. Zeitfenster: zwei Sekunden. Dann hat sich vielleicht doch alles am Ende noch gelohnt …
Ich mache einen Schritt zum Nachttisch hin, nehme den Armreif und stecke ihn ein. Überhaupt kein Ding. Manchmal funktioniert man einfach.
Als ich mich zur Tür wenden will, sehe ich den Blick des Jungen. Er hat genau im falschen Moment aufgeschaut. Ich rühre mich nicht. Seine Augen gehen runter zu meiner Hosentasche, in der meine Hand mit dem Armreif steckt.
Ich lächle ihm zu und drehe mich wie in Zeitlupe zur Tür. In dem Moment kommen zwei Polizisten mit Funkgeräten und Waffen am Gürtel in voller Montur ins Zimmer. Ich pralle zurück.
»Das ist die Mutter?«, fragt der eine die Schwester.
Der zweite Polizist deutet auf mich.
»Wer sind Sie
»Das ist der Zeuge«, erklärt die Schwester. »Er hat eingegriffen und wurde verletzt dabei.«
Die Ordnungsmacht mustert mich.
»Sieht ja schick aus...!«, bewundert er meine Nase.
Ich nicke. Jawoll.
»Halten Sie sich bitte zur Verfügung draußen. Wir müssen Sie vernehmen.«
»Er muss erstmal zum Röntgen!«, widerspricht die Schwester. Meine Ritterin und Königin. Genau, erstmal röntgen, vorher geht gar nichts.
Eine letzte Chance, die Sonne bricht noch einmal durch die Wolken, kurz, für einen kleinen Moment. Ich muss ihn nutzen und raus aus diesem Albtraum.
Ich stiefele mechanisch hinter der Schwester her den Gang entlang. Ich finde eine Gelegenheit, unbemerkt hinter ihr abzubiegen und erreiche die Fahrstühle, folge dem Ausgangsschild und bin plötzlich draußen in der kühlen Abendluft. Es nieselt immer noch. In meiner Hosentasche habe ich den Armreif in der Hand. Was war das denn bitte, Oma?
Ich höre ihr raues, tiefes Lachen.

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